Gesundheitsexperten befürworten Spielautomaten-Reform. Doch wie wurde diese umgesetzt?


Ab November 2018 gelten in Deutschland die neuen Gesetze für die Automatenwirtschaft. Die neue Spielverordnung mit dem Namen Spiel 5 sieht drastische Veränderungen im Bereich der Spielautomaten vor. Ob diese auch wirklich tiefgreifend umgesetzt wurden, ist eine ganz andere Frage. Der Gesetzgeber hat eigentlich sehr klare Richtlinien geschaffen:

  1. Punkte-System wird abgeschafft, der Einsatz erfolgt in Euro und Cent.
  2. Die Mindestspieldauer muss 5 Sekunden betragen, dabei darf der Einsatz nicht höher sein als 20 Cent und der Gewinn nicht höher als 2 Euro.
  3. Herabsetzung des maximalen Verlustes pro Stunde von 80€ auf 60€.
  4. Herabsetzung der maximalen Gewinne pro Stunde von 500€ auf 400€.
  5. Jackpots und Sonderzahlungen sind ab sofort verboten.
  6. Während der obligatorischen Spielpause nach einer Stunde dürfen keine Animationen laufen.
  7. Nach drei Stunden muss der Automat komplett entleert werden und in den Ausgangszustand zurückversetzt werden.
  8. Der Automat darf maximal 10 Euro auf einmal annehmen.
  9. Die Automatik-Taste ist verboten.
  10. Es darf nur an einem Gerät gespielt werden.

Soweit so gut. Doch die Automatenwirtschaft hat ihre ganz eigene Interpretation dieser neuen Richtlinien. Das Punktesystem ist tatsächlich abgeschafft und somit sieht der Spieler in Zukunft ständig den Betrag in Euro, welcher sich im Automaten befindet. Erhofft wird sich dadurch, dass der Spieler weniger den Bezug dazu verliert, dass es sich um echtes Geld handelt. Studien zeigen nämlich, dass dies bei einem Punktesystem, aber auch beim Umtauschen von Geld in Chips im Casino, der Fall ist.

Kreative Auslegung

Mindestspieldauer

Sehr kreativ wurden die Automatenhersteller jedoch beim Punkt mit der Mindestspieldauer. Experten sehen besonders im sehr schnellen Ablauf der Spiele ein hohes Suchtpotential. Da der Begriff “Spiel” in der neuen Verordnung jedoch nicht klar definiert ist, haben die Hersteller entschieden, das “Spiel” sei nicht die Drehung der Walzen. Als Spiel gilt nun die Abbuchung des Geldes. Es werden also alle 5 Sekunden 20 Cent auf den Automaten gebucht. Suchtexperten sind über dieses Schlupfloch entsetzt. Spielsuchtforscher Professor Dr. Gerhard Meyer von der Universität Bremen wörtlich: “Es ist Absurd, dass ein Umbuchungsprozess als Spiel deklariert wird, während das eigentliche Spielgeschehen völlig ungeprüft auf einer ganz anderen Ebene abläuft”.

Von Seiten der Spieler ist jedoch zu hören, dass dieses Umbuchen als lästig empfunden wird, besonders, wenn um den maximalen Betrag von 2 Euro pro Dreh gespielt werden soll. Ja sie haben richtig gehört – 2 Euro. Da das Umbuchen als Spiel gilt, können auch weiterhin 2 Euro pro Dreh gesetzt werden, aber eben nur alle 50 Sekunden. Viele Spielhallenbetreiber befürchten, dass durch die neuen Regelungen die Spieler früher oder später in Online-Casinos abwandern werden.

Jackpot

Und das ist alles andere als abwegig. Schließlich gibt es dort nicht nur lockere Regeln, auch werden die Spieler mit Bonussen überhäuft und könne viele Automatenspiele kostenlos spielen. Und vor allem der Traum eines jeden Spielers, das Knacken des Jackpots, ist laut Verordnung in Zukunft in einer Spielothek nicht mehr erlaubt. Internet-Anbieter sind jedoch nicht von diesen Veränderungen betroffen, da ihr Sitz im Ausland liegt.

Maximale Verluste und Gewinne

Der maximale Verlust pro Stunde mit 60 Euro ist klar definiert und wird somit auch eingehalten. Experten halten diesen jedoch immer noch für zu hoch. Auch der maximale Gewinn pro Stunde steht mit 400 Euro fest. Um das Spielen an nur noch einem Gerät zu gewährleisten, bietet die Verordnung übrigens 2 Möglichkeiten. Entweder ein Code oder eine Spielerkarte. Hersteller Bally Wulff hat sich zum Beispiel für zweiteres entschieden. Es stellt sich sofort die Frage wie sicher dieses Vorgehen tatsächlich ist. Es ist theoretisch möglich, die Karte eines Freundes in die Spielhalle mitzunehmen und somit wiederum mehr als ein Gerät zu spielen. Es muss sich also eher auf die Kontrolle des Personals verlassen werden.

Politiker verärgert

Politiker und andere Instanzen sind verärgert. Man fühlt sich von der Automatenwirtschaft hintergangen. Viele fragen sich, wie die neuen Automaten trotz der Verordnung zugelassen werden konnten. Das PTB weist jegliche Verantwortung von sich. Es sei lediglich für die Prüfung der technischen Komponenten der Geräte zuständig. Es sieht also alles danach aus, als hätte man die neue Spielverordnung 5 aufwendig erarbeitet, doch dann nicht sichergestellt, dass sie auch umgesetzt wird.

Die Krönung des Ganzen ist übrigens die Art, wie die “Automatik-Spiel” Taste abgeschafft wurde. Sie wurde schlichtweg durch eine Taste mit der Aufschrift “Super-Spiel” ersetzt. Die Funktion ist die gleiche.

Gesundheitsexperten befürworten Spielautomaten-Reform. Doch wie wurde diese umgesetzt?
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